Mixed, Reisen

Aber bitte mit Wasser!

Vier Orte potentieller Sommerfrische

 

Baby, es wird heiß. Ein erneuter Jahrhundertsommer steht vor der Tür. Ernten werden  vertrocknen, Klimaanlagen glühen und das Frühstücksfernsehn live aus dem Freibad senden. Bevor ihr also im Schweiß der Anderen in Hörsaal und Seminarraum köchelt, schert euch dahin, wo die Wellen plätschern.

 

 

Der Strand

Weit ist der Horizont über dem Meer, brechend voll jedoch das Parkleitsystem der Kaiserbäder. Möwen bevölkern kreischend die Lüfte, doch auf dem Handtuch nebenan hört man „Die Atzen“ aus dem Handy. Augen zu und zurücklehnen, mit den nackten Zehen im feinen Sand puhlen. Bis vollgummibereifte Eistruhen samt Ferienjobern hupend die Reihen durchpflügen.

Die Medallie „Sommer am Strand“ hat definitiv zwei Seiten.

Wer einen Vierbeiner dabei hat, findet sich oft an einem nicht ganz so schmucken Abschnitt wieder, meist zusammen mit gut gebräunten Rentnern. Gerne weisen diese Nackideis darauf hin, dass man sich hier im FKK-Bereich auszuziehen habe, sonst könne man ja gleich die anderen Bereiche zu den prüden Wessis gehen. Planschen mit aufgekratzten Hunden, knusprigen Rentnern ohne Höschen und das alles auf spitzem Kies statt Sand. Na fein! Wer bei gutem Wetter an halbwegs bekannte Strände fährt, braucht starke Nerven. Oder viel Bier. Am besten aber eine große Gruppe Gleichgesinnter, mit denen man sich seinen eigenen Kosmos schaffen kann.

Der See

Ja, der gute alte See, wahlweise auch Tümpel, Kiesgrubbe oder Teich genannt. Doch auch hier steckt der Teufel in einigen Details. Wer gerne in Ruhe badet und am Ufer flätzt, sollte Entengrütze und Algen im kühlen Nass nicht scheuen. Denn je naturbelassener der Teich, desto ruhiger meist seine Ufer. Kiesgruben hingegen sind oft groß und Schauplatz vergnügerischen Halligallis. Man findet ähnliche Bedingungen wie an großen Stränden vor, nur dass Klos, Parkplätze und Würstchenbuden etwas mehr Provinzialität verströmen.

Bleibt also noch der Tümpel. Dieser enthält tendenziell eher weniger Wasser und dafür umso mehr Pflanzen und Reptilien. Die Chancen, mit sich in der Natur alleine zu sein, stehen hier gut. Becherlupen nicht vergessen!

Der Fluss

Hier pulsiert im Sommer das Leben. Weitläufige  Auen machen von Sonnenbaden bis Grillen vieles möglich und bieten genug Platz für lesende Individualisten und richtig große Freundeskreise. Und wenn es am Abend doch kühl werden sollte, liegen zumindest in den größeren Städten die Ausgehviertel in Laufentfernung. Nur das Thema Baden im Fluss bleibt schwierig. Zwar hat sich die Wasserqualität in sehr vielen deutsche Flüssen seit den neunziger Jahren massiv verbessert, doch Binnenschifffahrt, Tretbootverleih und Co machen dem entspannten Badevergnügen vielerorts den Garaus. Richtig sind hier all diejenigen, die gerne Stöcke samt Schnur und Köder ins Wasser tunken, währenddessen in Klappstühlen hängen, Schlapphüte tragen und sich so ihr Abendbrot selbst besorgen möchten. Wem die Gemüter trotz Sonne noch nicht erhitzt genug sind, der zeige der angelnden Zunft doch mal, was eine richtige Arschbombe ist. Petri Heil!

Der Swimmingpool

Er ist die elitäre Version des Freibads, das dekadente Etwas im Ringen um die Gunst anspruchsvoller Sommerschönheiten. In ihm ersaufen unschuldige Bienen, sammeln sich Blätter und Pollen, bilden sich Pilze und Schimmel, spiegeln sich aber auch die Sterne in einer lauen Nacht zum Klang zweier Sektgläser. Sommerfrische meint im Falle des Swimmingpools einen latenten Geruch nach Chlor oder aber abgestandenem Wasser. Dafür ist man, falls die große Wanne nicht gerade bei Mama und Papa im Garten oder im Gemeinschaftshof steht, ungestört und bereits erwähnte Übel wie pubertierende Jugendliche, nackte Ostseeveteranen oder angesoffene Angler müssen draußen bleiben. Und für den schmalen Geldbeutel gibt es in den Baumärkten Planschbecken in lustigen Farben.

Übrigens: Unser deutscher Sommer, schrieb Heinrich Heine, sei in Wahrheit nur ein grün angestrichener Winter. Ob man diesen Pessimissmus nun teilen möchte, oder nicht: Am Wasser ist es ja immer schön. Egal ob Jahrhundertsommer oder grüner Winter.

 

Text: Ole Schwabe

Bild: Niels (Jugendfotos)