Aus der Schule
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Alternatives Ende zu Romeo und Julia

Romeo stirbt, aber Julia kann im Krankenhaus gerettet werden. Nach einigen Monaten wird sie entlassen…

Die Sonne schien mir ins Gesicht, als ich aus dem Krankenhaus hinaus trat. Drei Monate hatte ich hier verbracht, weil der Dolch mich nicht getötet und zu meinem geliebten Romeo gebracht hatte. Bis auf eine Narbe am Bauch, war mir nichts geblieben, denn er war gestorben. Die Liebe meines Lebens; der Junge, mit dem ich für immer zusammen sein wollte, war gestorben und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, war er meinetwegen gestorben. Er hatte die Nachricht, dass ich nur in einer Art von Tiefschlaf lag, nicht erhalten und hatte sich, um bei mir zu sein, das Leben genommen. Eine riesige Schuld lastete nun auf meinen Schultern und ich wusste, dass ich sie wahrscheinlich nie würde begleichen können.
Meine Eltern waren gekommen um mich abzuholen und gemeinsam fuhren wir nun mit der Kutsche nach Hause. Dort wurde ich herzlich von meiner Familie empfangen, sie waren alle sehr froh mich zu sehen und ich bekam das Gefühl, dass ich vielleicht doch nicht so allein war auf dieser Welt , obwohl ich wusste, dass sie mir meine Beziehung zu Romeo niemals verzeihen würden. War das alles nur Fassade, damit ich vor Traurigkeit nicht durchdrehte und meine Eltern unglücklich machte? Ich wusste es nicht …
Als ich durch das Haus ging, kam mir alles so anders vor, nun da Romeo nicht mehr hier war: Der Tanzsaal in dem wir uns zum ersten Mal getroffen und sofort verliebt hatten und auch mein Zimmer, in dem er mich einst besuchte, erinnerten mich an ihn und sofort wurde ich wieder todtraurig. Wie lange sollte es dauern bis ich wieder klar denken und weiterleben konnte? 1 Jahr, 5 Jahre, 20 Jahre; oder doch für immer?
Um einen klaren Kopf zu bekommen, ging ich, mit einer roten Rose in der Hand, zum Friedhof, zu Romeos Grab. Es war riesig und mit abertausenden von Blumen bedeckt. Ich kniete mich nieder und dachte an all die schönen Momente, die wir zusammen erlebt hatten. Obwohl wir immer auf der Hut sein mussten, hatte ich einige der schönsten Momente meines Lebens mit ihm verbracht, dem Sohn des größten Feindes unserer Familie. „Romeo“ schluchzte ich „wie werde ich diese Schuld, deinen Tod, je begleichen können? Doch ich möchte nicht aufgeben und mein Leben lang nur traurig sein!“ Ich stand wieder auf, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und versuchte zu lächeln. „Du bist für mich gestorben, jetzt möchte ich für dich weiterleben.“ Ich warf die Rose auf sein Grab: „Nimm das als Versprechen und Zeichen meiner Liebe.“ Mit diesen Worten verließ ich den Friedhof, ohne mich noch einmal umzudrehen.
Entschlossen wie ich war, mein Leben wieder geradezubiegen, machte ich mich auf den Weg zu den Montagues. Ich wollte mit ihnen reden, vielleicht konnte ich Frieden schließen, auch wenn es meine Familie nicht konnte. Vom Diener wurde ich in den riesigen Speisesaal geführt, dort saßen Romeos Eltern. Als sein Vater mich sah, stand er auf und kam mir entgegen. „Was willst du hier?“ bellte er. „Reicht dir der Tod unseres Sohnes nicht aus? Was willst du noch?“ Ich schluckte. „Ich bedauere zutiefst den Tod Ihres Sohnes. Ich habe ihn geliebt wie niemand anderen.“ Für einen Moment wich die Härte aus dem Gesicht des Mannes, für eine Sekunde dachte ich, es gäbe die Möglichkeit auf Versöhnung. Doch dann wich die Sympathie wieder dem Ärger, und er sagte: „Unser Sohn starb nur wegen dir und deiner Familie und eurer verteufelten Liebe. Ohne dich würde er immer noch leben.“ Im Hintergrund hörte ich die Mutter leise weinen. „Verflucht seist du und deine Familie!!“ Mit diesen Worten scheuchte er mich aus dem Speisesaal und befahl dem Diener mich zum Tor zu bringen.
„Warum weinst du?“ Meine Amme setzte sich zu mir aufs Bett und nahm meine Hand. „Ich weiß, ich war nicht immer nett zu dir und Romeo und habe nicht an euch geglaubt und ich möchte mich dafür von Herzen entschuldigen. Er war ein guter Junge, und hat dich wirklich geliebt, so wie du ihn.“ Meine Amme – sogar sie – die, mit der ich sonst immer alles besprochen hatte, war damals nicht auf meiner Seite gewesen und es bedeutete mit sehr viel, dass sie nun zu mir und Romeo stand. Ich fiel ihr in die Arme und fing an zu weinen. Ich erzählte von meinem Besuch auf dem Friedhof und dem Gespräch mit Romeos Vater. Dass ich die Stadt verlassen wollte, erzählte ich ihr nicht.

 

Text: Rebecca Möller, Klasse 10

Bild: Franziska Maxi Müller (jugendfotos.de)

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