Reisen

In Breslau gemeinsame Wurzeln erleben

Breslau: Begegnung der Kulturen und der Geschichte

Die niederschlesische Metropole spiegelt bis heute die deutsch-polnische Geschichte wider. Wrocław war bis 1945 unter dem Namen Breslau die viertgrößte Stadt Deutschlands, danach wurde die deutsche Vergangenheit nahezu vollkommen gelöscht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Breslau bis zu 70 Prozent zerstört und fast menschenleer. Alles, was an die deutsche Vergangenheit erinnerte, wurde polnisch umbenannt, Inschriften wurden entfernt, Denkmäler gestürzt. Fünf Jahrzehnte später entdeckt die Stadt ihr gemeinsames Erbe langsam wieder und der Großteil der Gebäude in der Innenstadt ist liebevoll restauriert. Sie strahlen nun wieder den alten Bürgerstolz aus, ob in strenger Backsteingotik oder überschwänglichem Barock, in klassizistischer Eleganz oder kühner moderner Sachlichkeit.

Heute kann man wieder viel von dem Breslau des 20. Jahrhunderts erleben, das als wirtschaftliches, geistiges und wissenschaftliches Zentrum Preußens galt.

Am besten kommt man mit dem Auto nach Breslau. Von Berlin aus sind es nur knapp 2,5 Stunden bis in die niederschlesische Metropole. Eine Fahrt mit der Bahn ist auch möglich, dauert aber etwas länger, da in Posen ein Zwischenstopp erfolgt (siehe EXTRA-Tipp).

Erst einmal in Breslau angekommen, ist der größte Anziehungspunkt, bei Touristen und Einheimischen, der Rynek, der Marktplatz mitten im Herzen der Stadt. Auf dem im Jahre 1241 entstandenen Platz befindet sich das markante alte Rathaus mit der astronomischen Uhr aus dem Jahre 1580. Ein Runde um den Rynek gehört zum Pflichtprogramm. Dabei laden die prachtvollen langen Häuserreihen mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Geschäften zum Verweilen und Genießen ein. Hier kann man das bunte Treiben beobachten und in die Atmosphäre Wrocławs eintauchen. Besonders am Abend, wenn die üppig verzierten Laternen ihren Schein auf dem Platz spiegeln, verwandelt sich der Rynek in eine Flaniermeile. Künstler und Feuerschlucker vollenden das Bild der Lebhaftigkeit. Denn Breslau ist eine junge, quirlige Stadt: 130.000 der insgesamt 630.000 Einwohner, also mehr als jeder Fünfte, zählen zu den Studenten und zusammen mit den Touristen bevölkern sie die Bierstuben und Jazzclubs der Stadt.

Ausgehend vom Marktplatz kann man weitere Highlights der Stadt zu Fuß erreichen. Dazu gehört auf jeden Fall die Dominsel. Hier befinden sich viele größere und kleinere prachtvolle klerikale Bauten. Nicht verpassen sollte man die St. Peter und Paul Kirche und die etwas kleinere, im gotischen Stil erbaute Martinskirche. Weiterhin finden auf der benachbarten Sandinsel im Sommer Musikfestivals statt. Auch hier ist die Jugendlichkeit Breslaus zu spüren. Die Inseln sind über die Oderbrücken verbunden, wobei es naheliegt, sich eine kleine Odertour zu gönnen. Genug Boote gibt es auf jeden Fall. Wer dann noch Lust hat, kann mit einem Schiff zur Jahrhunderthalle, etwas außerhalb der Stadt, fahren und die 1913 fertiggestellte architektonische Besonderheit besuchen. In ihr fanden zahlreiche Ausstellungen, Versammlungen und Konzerte statt. Heute wird sie nach einer grundlegenden Entkernung und Restaurierung wieder voll und ganz genutzt. Um die Halle herum befindet sich ein japanischer Garten und ein weiteres Highlight: Eine 86 Meter hohe Stahlnadel. Was es damit auf sich hat, findet ihr am besten selbst heraus.

Lasst euch einfach überraschen und entdeckt euer Breslau auf eigene Faust.  2016 will die Stadt dann noch mehr als Ort der Begegnung der Kulturen und der Geschichte glänzen: Dann wird Breslau Kulturhauptstadt Europas.

EXTRA-TIPPS

1. Von Breslau nach Karpacz – Ein Breslaubesuch lohnt sich auch im Wintersemester, denn die Stadt liegt nur zwei Stunden vom Riesengebirge entfernt. Ihr könnt eure Skitauglichkeit im Winterparadies Zieleniec oder DEM Skigebiet schlechthin rund um Karpacz testen. Taucht einfach ein in eine andere Welt. 
2. Wenn man sich entschließt mit dem Zug nach Breslau zu fahren, ist ein längerer Aufenthalt in Posen (Poznan) inklusive. Warum nicht einfach die Zeit nutzen und der EM-Metropole einen kurzen Besuch abstatten? Mit kleinen bunten Häusern und Brunnen mitten auf dem Rynek versprüht Posen eine märchenhafte Atmosphäre.

Fotos: Franz Küntzel