Aus der Schule
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Ein neues Ende für Romeo und Julia

Julia stirbt, doch Romeos Gift ist nicht stark genug. Unter falschem Namen lebte er unerkannt, doch jetzt…

…plagte ihm im Inneren die Sehnsucht nach Julia. Er konnte sie so einfach nicht verlassen. Er beschloss noch einmal Abschied zu nehmen, indem er sich zu ihrem Grab begab. Und das an dem Tag, als Julia Geburtstag gehabt hätte. Nach einer zweistündigen Reise kam er endlich in Verona an. Er ging sofort zum Friedhof, zu den Familiengräbern der Familie Capulet, wo Julia beerdigt worden war. Seit dem letzten Besuch des Grabes, hatte sich nichts geändert. Es sah immer noch gepflegt aus und frische Rosen standen auch davor. Anscheinend kümmerte sich die Amme um das Grab. Nur sie konnte die Lieblingsblume von Julia kennen. Romeo musste sich zusammenreißen. Er durfte nicht anfangen zu weinen… nicht hier, dachte er, während ihm Tränen in den Augen standen. So stand er ein paar Minuten da und dachte an die vergangene Zeit, als Julia noch lebte. „Sprich doch mit mir!“ flüsterte Romeo. Und tatsächlich fühlte es sich so an, als ob Julia seelisch bei ihm war. Sein Körper wurde herzlich warm, das Unbehagen verflog. Plötzlich stand sie vor ihm, ganz nah. Auf ihrem Gesicht lag ein bezauberndes Lächeln. „Julia.“, sagte Romeo sacht. „Mein Liebster, du kannst Abschied nehmen. Trauer nicht um mich, ziehe in die weite Welt und sei froh und heiter. Ich wünsche mir für dich eine neue Frau, die dich liebt und die du liebst. Leb wohl.“. Die Gestalt verschwand. „Nein!“, schrie er, „Verlass mich nicht, ich will nur dich an meiner Seite! Geh nicht! Ich liebe dich, Julia!“. Dies wiederholte er ein paar mal. Er wusste, dass es eine Halluzination war, er wollte es trotzdem nicht war haben. Romeo konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er lief schreiend über den Friedhof. Er schmeckte seine salzigen Tränen im Mund. Ein Mann kam um die Ecke und bemerkte sein Verhalten. Er ging zu Romeo und sagte ihm, er solle die Toten nicht stören. Da hob Romeo seine Hand und schlug zu.
Die Familie Capulet empfand die geplante Flucht von Julia mit diesem Montague schlimmer, als ihren eigentlichen Tod. „Wie konnte sie uns nur so in den Rücken fallen. Romeo war doch der Sohn des Feindes. Sie hätte es wissen müssen, das hatte sie nun davon“, sagte die Mutter Julias zu ihrem Mann. Die Capulets waren davon überzeugt, dass Romeo Julia mit seinem Dolch erstochen hatte. Die Montagues verteidigten Romeo, obwohl er ihnen die kalte Schulter gezeigt hatte und geflohen war. Dies brachte nichts, die Capulets wollten nun Romeo ausfindig machen und ausschalten. Sie setzten ein beachtliches Kopfgeld an und verteilten Flugblätter. Die Familien waren weiterhin verfeindet.

Romeo sah die Flugblätter in der ganzen Stadt Verona. Er hatte Panik und Angst. Zu viel Angst. Angst lähmte ihn. Er musste untertauchen. Doch wo? Er konnte nicht zurück, man würde ihn erkennen. Plötzlich schrie jemand laut seinen Namen. Ein Mann rief: „Du bist der Mörder!“, und zeigte mit dem Finger auf Romeo. Die Menschen auf der Straße drehten sich zu den beiden um. Es erkannten nun weitere Leute Romeo. „Du hast die Tochter der Adelsfamilie Capulet getötet.“, rief nun eine Frau. Die Männer zogen ihre Waffen und umkreisten Romeo. Romeo stieß einen von ihnen um und rannte weg, weit weg. Er hörte die Stimmen hinter ihm: „Tötet ihn!“. Romeo lief und lief. Rannte durch Gassen, durch fremde Gärten und um Straßenecken. Er wurde langsamer und kam ins pusten. Er erreichte schließlich eine Brücke. Er drehte sich um. Eine gewaltige Menschenmenge verfolgte ihn. Klar, sein Kopf würde jemandem ein Vermögen bringen. Romeo hatte keine Kraft mehr um weiter zu fliehen. Er stellte sich an den Rand der Brücke und wollte springen. Doch dann griff jemand von hinten seinen Arm. Es war Julias Amme. „Julia hat dich geliebt, und ich weiß genau, dass du sie genauso viel geliebt und verehrt hast. Du könntest sie niemals umbringen.“. Die Meute hatte sie nun erreicht. „Stop, legt eure Waffen beiseite! Ich bin aus dem Hause Capulet und befehle euch, ihn in Ruhe zu lassen. Verschwindet!“. Die Amme zeigte demonstrativ auf ihr Gewand, auf welchem das Wappen der Familie zu sehen war. Langsam löste sich die Meute auf. Die einen gingen zurück und die anderen blieben entfernt stehen und beobachteten, wie Romeo und die Amme nun von der Stelle wichen und langsam hinter einer Hausecke verschwanden.

„Du musst fliehen, schnell! Hier hast du unser schnellstes Pferd! Reite so schnell wie du kannst. Raus aus Verona. Weg von diesem schrecklichen Ort. Bevor sie uns erwischen.“. Sie standen heimlich im Stall der Capulets. Romeo bedankte sich und wusste genau, dass er nun in ihrer Schuld stand. Sie hörten Stimmen, die lauter wurden. Die beiden verabschiedeten sich und Romeo ritt los. Nach einer kurzen Zeit drehte er sich ein letztes Mal nach der Amme um. Er riss seine Augen auf. In der Ferne sah er die Amme in einer Blutlache liegen. Daneben standen zwei Wachen und der Herr des Hause. Die Familie Capulet hat die jahrelange treue Amme getötet. Romeo war von diesem Anblick geschockt. Er konnte seine Schuld nie mehr begleichen.

Voller Wut und Trauer verließ er diesen schrecklichen Ort und zog in die weite Welt, in der Hoffnung, das Geschehene zu vergessen.

Autorin: Josefa Ferse

Bild: Stichflamme/Sara von Salis (von jugendfotos.de)

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