Allgemein

Hansa-Interview: Peter Schyrba

Steckbrief

Position: Abwehr

Spieler seit: 2010

 

Herr Schyrba, Sie sind im Ruhrgebiet aufgewachsen, haben dort das Fußball spielen erlernt. Was hat Ihnen der „Pott“ fußballerisch, möglicherweise aber auch emotional geben können?

Emotional ist es so, dass meine Familie im Ruhrgebiet wohnt und ich damit ganz klar dort verwurzelt bin. Fußballerisch ist es so, dass ich das Fußball spielen, von kleineren Vereinen bis hin zum MSV Duisburg, noch auf Asche, also von der Pike auf zu arbeiten gelernt habe. Betrachtet man das Gesamtbild ist es so, dass Fußball im Ruhrpott gelebt, geatmet und gearbeitet wird, wie es zum Beispiel auch hier in Rostock der Fall ist. Und da sich harte Arbeit bei vielen Vereinen bezahlt gemacht hat und, wie hier beim FC Hansa, immer noch bezahlt macht, kann ich mich mit dieser Philosophie auch heute noch identifizieren.

 

Sie sprachen den MSV Duisburg bereits an. Dort gelang Ihnen der Aufstieg bis in den Kader der ersten Mannschaft, der Aufstieg zum Profifußballer. Wie bewerten Sie Ihre fußballerische Zeit dort?

 

Ich bewerte meine Zeit beim MSV sehr positiv. Trainer wie Friedhelm Funkel und Seppo Eichkorn haben mir die Möglichkeit gegeben, in einer Mannschaft zu trainieren, in der Größen wie Bachiriou Salou, Torsten Wohlert und Stig Töfting gespielt und mit der wir das Pokalfinale erreicht haben. (Die Rede ist vom Pokalfinale 1998, in dem der MSV dem FC Bayern mit 2:1 unterlag. – Anm. d. Red.) Das waren Spieler, von denen ich mir sehr viel abschauen, von deren Einstellung ich sehr viel mitnehmen konnte. Und obwohl es dadurch schwer war, mich im Training so durchsetzen zu können, dass ich mich für die erste Elf empfehle, profitiere ich heute noch davon, mit solchen Typen trainiert zu haben. Außerdem habe ich es ja dann doch noch irgendwie in die Zweite Liga geschafft.

 

Stichwort Trainer. Sie spielen zum dritten Mal unter Trainer Peter Vollmann, kennen seine Arbeitsweise daher vermutlich sehr gut. Was verlangt der Trainer von der Mannschaft und schafft der FC Hansa mit ihm den Verbleib in Liga 2?

 

Ja, es stimmt. Nachdem ich schon in Kiel und Münster mit Peter Vollmann zusammengearbeitet habe, ist der FC Hansa sozusagen unsere dritte gemeinsame Station. Ich muss sagen, dass ich in seiner Arbeitsweise eine Entwicklung sehe. Er hat sich, gerade was die Trainingssteuerung und das Auftreten gegenüber der Mannschaft, also das Ansprechen der Spieler betrifft, weiterentwickelt. Auch deshalb bin absolut überzeugt davon, dass wir die Klasse halten und dass Peter Vollmann der richtige Mann dafür ist, dass uns dies gelingt.

 

Sie sind seit 2010 beim FC Hansa, haben gleich in Ihrer ersten Saison 36 von 38 Spielen bestritten, 2 Tore erzielt und mit guten Leistungen zum Aufstieg beigetragen. Wie hat sich die Mannschaft, Ihrer Meinung nach, in der Saison 2010/11 geschlagen und hat sie sich, im Vergleich zur letzten Saison, sportlich weiterentwickelt?

 

Ich denke, die Entwicklung der Mannschaft in der Saison 2010/11 war nicht abzusehen. Sie war unheimlich positiv. Der Verein stand vor dieser Saison in der 3. Liga quasi „mit dem Rücken zur Wand“, bekam eine neue Mannschaft und eine neue Führungscrew. Und ich denke, nicht nur der Verein, sondern auch wir als Mannschaft haben es, mit den Fans im Rücken geschafft, dass beim FC Hansa ein neues Feuer entfacht werden konnte. So haben wir dann schließlich, mit viel Willen und großer Geschlossenheit, den Aufstieg erreicht. Dieser Wille und diese Geschlossenheit, die nicht nur für die Mannschaft selbst, sondern auch für das Publikum und den Verein gelten, bilden auch in dieser Saison wieder die Grundlage unseres Spiels. Darüber hinaus ist durch die Neuzugänge natürlich auch sportliche Qualität zu der Mannschaft gestoßen. Sieht man sich die Spiele an, wird es von Mal zu Mal besser. Sollte dann der erste „Dreier“ eingefahren werden, haben wir uns endlich auch „nach Punkten“ für unsere harte Arbeit belohnt.

 

Apropos Belohnen. Die Kicker-Durchschnittsnote der Mannschaft liegt momentan bei 3,48. Das macht den FC Hansa, gemeinsam mit der Eintracht aus Braunschweig, zu Recht zum spielerisch siebt-besten Team der Liga. Warum spricht die Tabelle derzeit eine so andere Sprache?

 

Wenn man die letzten drei Spiele betrachtet, haben wir eben immer nur einen Punkt geholt und, leider, immer nur 0:0 gespielt. Vielleicht hat uns nur das Quäntchen Glück gefehlt, aber das kann man sich erarbeiten. Und genau das versuchen wir in jedem Training. Gestern zum Beispiel hatten wir Schusstraining. Ich bin ganz sicher, dass der Knoten platzen wird. Und es ist zu einfach, den Offensivspielern die Schuld für die Torflaute zu geben. Es muss einfach irgendjemand aus der Mannschaft, sei es ein Stürmer oder ein Verteidiger, das „Ding“ mal reindrücken. Dann bin ich mir sicher, dass unsere tabellarische Situation demnächst auch mit den Spiel- und Spielernoten übereinstimmen wird.

 

Schmerzt die Pokalniederlage gegen Bochum im Elfmeterschießen noch?

 

Es schmerzt definitiv noch. Es war ein sehr rassiges Spiel und jeder Zuschauer, der im Stadion war, hat zu einer tollen Atmosphäre beigetragen. Wir hätten es sicher verdient gehabt, die zweite Runde zu erreichen. Aber verdient gibt es nun einmal nicht im Fußball, es zählen die Ergebnisse. Und Bochum hatte eben im Elfmeterschießen die besseren Nerven beziehungsweise das Quäntchen Glück.

 

Und wann belohnt sich das Team des FC Hansa Rostock für seine fußballerisch guten Leistungen?

 

Hoffentlich schon im nächsten Spiel beim FC Ingolstadt.

 

Der Pocketguide wünscht dem FC Hansa alles Gute auf dem Weg zum Klassenerhalt.

 

Interview: Mary Zapel

Foto: FC Hansa Rostock