Greifswald, Kunst und Kultur
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Morgen: Ausstellungseröffnung „Wir, Roma“ in der Kleinen Rathausgalerie in Greifswald

Das Leben der Roma in Finnland und Estland im 21. Jahrhundert wird ab Mitte April in einer neuen Ausstellung in der Kleinen Rathausgalerie dokumentiert. Prof. Dr. Marko Pantermöller, Festivalleiter des Nordischen Klangs, wird in die Ausstellung am 14. April um 17 Uhr eröffnen. Kari Hiltula umrahmt die Vernissage musikalisch mit Gitarre und Gesang.

Nachdem die Fotoschau bereits in Schweden, Ungarn, Finnland sowie in der estnischen Botschaft in Berlin gezeigt wurde, präsentieren die bekannte Fotografin Annika Haas (Estland) und die Autorin, Aktivistin und Filmemacherin Kiba Lumberg (Finnland) ihre Arbeiten nun im Vorfeld des Festivals Nordischer Klang in Greifswald. Die vom estnischen Kulturattaché Harry Liivrand kuratierte Exposition „Wir, Roma“ porträtiert und dokumentiert den Alltag der Roma auf beeindruckende Weise.

„Roma“ bedeutet „Mensch“ und ist seit dem 1. Welt-Roma-Kongress am 8. April 1971 in London zugleich der selbstbezeichnende Name für die europaweit als nationale Minderheit auftretende Bevölkerungsgruppe. Seit Jahrhunderten wurde den Roma mit Vorurteilen begegnet, eine gleichberechtigte gesellschaftliche Partizipation blieb ihnen jedoch verwehrt. Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung waren stattdessen leider kein Einzelfall und fanden insbesondere im nationalsozialistischen Genozid während des Zweiten Weltkriegs mit dem Tod von 500.000 Menschen ihren traurigen Höhepunkt.

In Estland leben Roma mindestens seit dem Jahre 1533, als vom Tallinner Magistrat ein Geleitbrief an einen Rom aus Deutschland ausgestellt wurde. Von einer dauerhaften Besiedlung der Roma auf dem Gebiet Estlands kann man ab dem 17. Jahrhundert sprechen, als skandinavische Roma auf das Territorium Estlands zogen. Später folgten weitere Ansiedlungen, unter anderem aus Russland und Lettland.

1934 gab es in Estland 766 Roma. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde der Großteil der in Estland lebenden Roma getötet. 2011 lebten in Estland nur 456 Roma in verschiedenen mehr oder minder miteinander in Verbindung stehenden Gemeinden. Der Lebensstandard der in Estland lebenden Roma ist sehr unterschiedlich, häufig jedoch auf Grund des vergleichsweise niedrigen Bildungsniveaus und der relativ hohen Arbeitslosigkeit sehr niedrig.

Estnische Roma gewährten Annika Haas 2012 und 2013 einen Einblick in ihr unmittelbares Umfeld. Selten hat eine Fremde so nah am Leben der estnischen Roma-Gemeinde teilhaben dürfen.
In Finnland leben Roma ebenso seit mehreren Jahrhunderten, erreichten jedoch insbesondere im kulturellen Bereich eine bedeutend höhere soziale Stellung und sind im Gegensatz zu den estnischen Roma mehrheitlich gut integriert. Kiba Lumberg, die jahrelang finnische Roma dokumentiert hat, hält auf den neuen Fotos ihre Verwandten fest: Musiker, Schauspieler und Künstler, von denen in Finnland so mancher dem Publikum bestens bekannt ist.

Die Ausstellung stellt somit ein spannendes, zum Nachdenken anregendes kulturanthropologisches und zugleich ein sozialpolitisches Projekt dar.

Ausstellungsdauer 14. April – 13. Mai 2016
Ort: Kleine Rathausgalerie im 1. OG des Greifswalder Rathauses am Markt

Öffnungszeiten der Kleinen Rathausgalerie:
Montag – Donnerstag 8:00 – 18:00 Uhr | Freitag 8:00 – 15:30 Uhr

Text: Pressestelle Universitäts- und Hansestadt Greifswald

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