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Rostock Griffins

Als ich mich an einem sonnigen Sonntagnachmittag das erste Mal auf den Weg in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark nach Warnemünde machte, hatte ich keine Ahnung von American Football. Also tat ich, was mir in meiner Situation am sinnvollsten schien. Ich gesellte mich zu fachkundigen Fans und griff zu der Taktik, die schon Kleinkinder anwenden, um sich ihre Umwelt zu erschließen: ich ahmte das Verhalten der Anderen nach.

Lektion 1: Hatte Rostock den Ball, griffen sie an. Man klatschte, wenn die Spieler der gegnerischen Endzone näher kamen. Je näher sie diesen kamen, desto heftiger wurde der Applaus. Erreichten sie die gegnerische Endzone, gab es stehende Ovationen. Diese konnten wahlweise von einem frenetischen Jubel (als Beispiele seien hier „Bravo“ oder „Toll“ angeführt) begleitet werden. Ich entschied mich für ein texanisch anmutendes „Yieeha“. Schließlich wollte ich Eindruck machen.

Lektion 2: Hatte Rostock den Ball nicht, verteidigten sie. Man feuerte die Verteidigung bereits vor dem Spielzug mit dem Wort „Defense“ an. Dieses Rufen wurde bis zum Anspiel des Balls durch den Gegner immer lauter. Hielten die Spieler den Gegner dann von der eigenen Endzone fern, applaudierte man. Drängten sie ihn gar zurück, wurde der Ruf „Defense“ beliebig oft und immer schneller werdend wiederholt. Schafften die Spieler es, den Gegner weit zurückzudrängen oder ihm gar den Ball abzujagen, gab es stehende Ovationen, die von immer schneller werdenden „Defense“-Rufen begleitet wurden. Da sich mir der Rhythmus des Rufens noch nicht erschlossen hatte, entschied ich mich für intensives Klatschen.

Am Ende des Spiels hatte ich nicht nur beide Lektionen durch Wiederholung verinnerlicht, ich hatte auch etwas gelernt. Um Spaß bei einem Spiel der Rostock Griffins zu haben, muss man nicht viel vom American Football verstehen. Man muss das Team anfeuern!

Text: Mary Zapel
Foto: Mary Zapel