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Stressfaktor Prüfungsangst

Ich kann mich noch gut an die Nacht vor Abgabe meiner Bachelorarbeit erinnern. Meine Freundin und ich hatten miteinander telefoniert in der Hoffnung, uns Mut zusprechen zu können. Ganz blöde Idee! Stattdessen hatten wir überlegt alles sausen zu lassen, uns eingeredet, dass all das Geschriebene nur humbug sei und wir es einfach nicht drauf hätten.

Zwei Minuten später haben wir uns dann wieder aus dem Sumpf gezogen, alles fundiert und für gut befunden und wir seien sowieso die Größten. Eine halbe Stunde später ein zweites Telefonat, in dem wir uns darüber aufgeregt hatten, wie wenig Unterstützung man aus der Umgebung erhielt. Sie hatte ihre Arbeit noch einmal laut gelesen, woraufhin ihr Zuhörer eingeschlafen war und ich musste mir von Seiten meiner „Unterstützer“ anhören, dass ich mir keine Sorgen machen müsste, ich hätte es nicht bis hierhin geschafft, wenn ich eine Pfeife wäre. Ganz große Klasse diese Beiträge, die einem so richtig unter die Arme greifen. Das war dann der Punkt, an dem beschlossen wurde, dass es egal sei, was gesagt wird oder in ihrem Falle geschnarcht wird, es konnte nur falsch sein.

Warum immer diese Prüfungsangst? Man bereitet sich wochenlang auf mündliche oder schriftliche Prüfungen vor, bespricht alles mit dem Professor, mit anderen Worten, man sichert sich auf allen Seiten ab. Trotzdem geht es dem Großteil der Prüflinge gleich. Man ist aufgeregt, kann nicht schlafen, zweifelt an sich selbst und letzten Endes war die ganze Aufregung doch umsonst und man kommt strahlend nach Ergebnisverkündung nach Hause. Mit den Semestern haben wir so einiges ausprobiert, um dem entgegen zu wirken. Entspannungsübungen in Form von Atemübungen, sich selber positive Gedanken machen, Beruhigungstee trinken und letzten Endes hat man das nie durchgehalten und in den letzten Tagen vor der Prüfung immer zuviel Kaffe getrunken, geraucht und sich einfach nur fertig gemacht. Ich meine, gut, die Wohnung ist geputzt, die Müllecken verschwunden und überhaupt sieht die Wohnung so gut aus wie nie zuvor. Das Alles um Stress abzubauen, aber es war trotzdem immer egal, die Angst blieb, egal wie gut vorbereitet man war oder welche Entspannung man versucht hat.

Eine Idee kam mir allerdings, als ich einen Artikel der Studierwerkstatt der Uni Bremen gelesen hatte. Es ging darum, dass Studenten sich eine Nacht lang gemeinsam an ihre Hausarbeiten setzen, um sich gegenseitig bei Schreibprojekten zu unterstützen. Vielleicht könnte man so was ja auch bei uns einführen. Rostocker Studenten treffen sich einen Tag, um sich vor mündlichen Prüfungen zu motivieren oder halt eine Nacht, um sich vor Abgabe der Hausarbeiten noch einmal zu unterstützen. Ich wäre zu allem bereit, um vor der Abschlussprüfung keinen Herzstillstand zu erleiden.

Text: Romy Sander
Foto: zettberlin – photocase