Alle Artikel mit dem Schlagwort: Buchrezension

Buchrezension : „Das finstere Tal“ (Thomas Willmann)

„Das finstere Tal“ (Thomas Willmann) – Trauriges Dorf mit grausamen Geheimnissen In dem Debütroman von Thomas Willmann reitet ein Künstler auf seinem Maultier in ein abgelegenes Tal. Der Fremde, namens Greider bittet um eine Unterkunft für den Winter, um zeichnen zu können. Er bekommt einen Schlafplatz bei der Witwe Gader und ihrer Tochter Luzi. Die Bewohner des Dorfes bringen ihm Argwohn entgegen und gehen ihm aus dem Weg.   Was zunächst als Heimatroman beginnt, wird  über einige langatmige Passagen zu einer spannenden brutalen Geschichte, die den Leser nicht mehr loslässt. Willmann schafft eine mysteriöse Atmosphäre: ein stillschweigendes Dorf, die scheuen und abweisenden Bewohner, die derben Söhne des Dorfältesten, ein Priester, der seinen Zuhörern keine Hoffnung gibt, Menschen, die sich mit ihrem tristen Dasein abgefunden haben. Im Kontrast dazu steht die Liebesgeschichte der Luzi, sowie die Beschreibung der Natur, die das Dorf malerisch erscheinen lassen. Willmann macht es seinen Lesern nicht einfach, seine Gedanken zu begreifen. Er arbeitet mit Zeitsprüngen, Wortspielen und komplizierten Satzbauten. Dadurch wird der Rezipient immer tiefer in die Geschichte gezogen und muss …

Buchrezension: „Chill mal Frau Freitag“ (Frau Freitag)

„Chill mal Frau Freitag“  (Frau Freitag)  – Szenen einer Brennpunktschule Eine Gesamtschule irgendwo in Deutschland. Frau Freitag unterrichtet Kunst und Englisch und ist zudem Klassenlehrerin der 9. Klasse. Bildung ist nicht die Sache von Emre, Ronni und Co. Hitler habe die Mauer gebaut, Sarazin sei eine Säure und ein Spast ein kleiner Vogel. Zwischen Rap und Ramadan battelt sich Frau Freitag durch den Schulalltag. Trotz aller Widrigkeiten: Frau Freitag liebt ihren Beruf und bedauert jeden, der nicht Lehrer sein kann. In „Chill mal Frau Freitag“ gewährt eine junge Lehrerin einen unverblümt offenherzigen Einblick in ihren Alltag an der Problemschule. Unpünktlichkeit, Fehlstunden und Ferien mitten im Schuljahr gehören genauso zum Leben wir Debatten um den Migrationshintergrund ihrer Schüler. Dabei kennen die meisten ihre Heimatland höchstens „aus dem Fernsehen oder von Kitschpostkarten“. Im Unterricht wird viel geredet und wenig gelernt. In kurzweiligen Kapiteln reiht Frau Freitag amüsante Anekdoten aneinender, die den Leser unweigerlich zum Lachen bringen. Dabei sind es vor allem die ironische Schreibweise und der schwarze Humor, die den schlechten Zustand des deutschen Bildungssystems auf witzige …

Buchrezension „Das Mädchen…“

In der 10. Klasse hat mir mein Mathematiklehrer meine (einzig fürs Leben) wahre Lebensweisheit mit auf den Weg gegeben: „Man denkt oft an seine erste Liebe, aber man heiratet sie nicht“. So geht es auch den vier sich fremden Männern in Boses ursprünglich 1951 erschienenen Roman: Das Mädchen meines Herzens.Im Bengalen der 30er Jahre sitzen ein Arzt, ein Beamter, ein Bauunternehmer und ein Schriftsteller nachts auf einem Bahnhof fest und warten auf die Weiterfahrt ihres Zuges. Ein junges Pärchen auf der Suche nach einem stillen Plätzchen betritt kurz den Warteraum und löst innerhalb von Sekunden bereits vergessen geglaubte Erinnerungen an die erste Liebe bei den Wartenden aus. Sie trauen sich, einer nach dem anderen, das vergessen geglaubte aufkommen zu lassen und beginnen, von ihren Geschichten zu erzählen. Die Nacht wird lang, der Unbekannte zum Freund, aus Fremdem Intimes. In dieser einen Nacht. Gefangen in sozialen Schichten und Traditionen erleben die vier jungen Männer was es heißt, wenn das Herz berührt wird. Der Leser darf die Protagonisten in eine exotische Welt begleiten und wird zum stillen …

Buchrezension „Der heilige Schein“

Mein Interesse an der katholischen Kirche belief sich immer nur auf ein Minimum und das, was ich im schulischen Religionsunterricht gelernt hatte, reicht mir aus, um zu wissen, dass ich auch kein größeres Interesse entwickeln würde. Dies änderte sich, als immer mehr Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche in den Massenmedien auftauchten und sich ein Skandal auftat, wie ihn die Kirche schon lange nicht mehr erlebt hatte. Die Frage nach der Pädophilie im Zusammenhang mit Homosexualität wurde laut und wie es möglich sei, dass Gewalt und Missbrauch so großen Einzug halten konnten. In diesem Zusammenhang fiel mir David Bergers Buch „Der heilige Schein“ ins Auge. Es wird als das „Schwarzbuch der katholischen Kirche“ bezeichnet, weil er als Theologe jahrelang in den hohen Kreisen der katholischen Kirche tätig war und sein gesammeltes Insiderwissen deutlich zur Sprache bringt. Sein Buch soll aufdecken, was sich in den erzkonservativen Kreisen der katholischen Kirche abspielt, wie eine Welt voller Lügen funktioniert und es soll einen Schlüssel zu den angesprochenen Skandalen bieten. In der Tat zeigt er sehr interessante Entwicklungen auf und …